Clarissa (3) darf nach 20 Monaten in der Klinik mit einem neuen Herzen nach Hause. ❤ Die bewegendste Ostergeschichte.

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Clarissa auf dem Flur der ihrer Station im Herzzentrum, anderthalb Jahre hat sie in der Klinik verbracht. Foto: Stefanie Herbst.
 
Artikel von: Birgit Bürkner, veröffentlicht am: 31.03.2018 um 07:28 Uhr.
 
Clarissa vor zwei Jahren, kurz bevor die ersten Beschwerden auftraten. Foto: Stefanie Herbst.
 
Clarissa kam mit einem angeborenen Organfehler zur Welt – ihre Herzkammern waren verdreht. „Das beeinträchtigte sie überhaupt nicht“, sagt ihre Mutter Nadine E. (34). „Sie war immer kerngesund und gut gelaunt.“
 
Blaue Lippen, graues Gesicht
 
Noch am Vormittag des 07. Juli 2016 hüpfte sie die Treppen zur elterlichen Wohnung hoch. Nachmittags bekam sie blaue Lippen, wurde grau im Gesicht, übergab sich. Am Abend war sie fast nicht mehr ansprechbar. Die Mutter rief den Notarzt.
 
Im Krankenhaus wurde sie untersucht, verkabelt, kam auf Station. „Clarissa wurde noch grauer“, so Nadine E. „Plötzlich schrie sie schrill auf, ihr Körper bäumte sich auf, dann fiel sie ins Bett zurück. Ich sah eine Nulllinie auf dem Monitor und kreischte: "Rettet meine Tochter! Lasst sie nicht sterben!" Die Ärzte reanimierten Clarissa anderthalb Stunden lang!
 
Angeschlossen an Apparate, wurde sie mit dem Hubschrauber ins Deutsche Herzzentrum (Berlin-Wedding) geflogen. Trotz technischer Hilfe versagte ihr Herz wieder. Die Mediziner kämpften um ihr Leben, reanimierten sie erneut. „Wir hatten große Angst, sie zu verlieren“, sagt die Mutter. Clarissa wurde an ein Kunstherz angeschlossen, für fünf Wochen ins künstliche Koma versetzt. „Niemand konnte zu dem Zeitpunkt sagen, ob ihr Gehirn noch intakt war.“ Neurologische Untersuchungen brachten Erleichterung: kein Schaden nachweisbar.
 

 
Clarissa mit Krankenschwestern Jana Dümke und Sophie Wolter. Foto: Deutsches Herzzentrum Berlin.
 
„Zunächst hofften die Ärzte, dass sich Clarissas Herz erholen würde“, so Nadine E. „Dann wurde klar, dass es zu schwach ist. Sie brauchte ein Spenderorgan.“ Clarissa E. wurde als Hochdringlichkeitspatientin auf die Liste von Eurotransplant gesetzt.
 
Man ließ sie aus dem Koma erwachen, angeschlossen an die Maschine lebte sie mit ihrer Mutter anderthalb Jahre lang auf der Kinderstation im Deutschen Herzzentrum. Sie durfte sich im Gang bewegen, im Spielzimmer beschäftigen, im Sommer auch mal auf den Klinikhof gehen. „Wir warteten auf ein neues Herz für Clarissa“, so die Mutter. „Ich hatte mein Handy immer in der Hand. Jeden Moment konnte der Anruf kommen!“
 

Das Team vom Deutschen Herzzentrum, das Clarissa das Leben rettete, mit dem Mädchen in der Mitte. Foto: Deutsches Herzzentrum Berlin.

„Die Zeit am Kunstherz ist für die Patienten und die Eltern eine Zeit großer psychischer Belastung“, sagt Kinderkardiologin Dr. Katharina Schmitt. „Zudem können sich in dem System auch gefährliche Gerinnsel bilden.“

Heiligabend klingelte das Telefon

Im letzten Herbst hatte Clarissa Schmerzen durch die Schläuche am Bauch, Fieber. „Zu Weihnachten wünschte sie sich keine Puppe oder ein Spielzeug wie andere Kinder“, sagt ihre Mutter. „Sie wünschte sich ein Weihnachtsherz! Ich erklärte ihr, dass ich ihr diesen Wunsch nicht erfüllen kann.“

Am 24. Dezember, morgens um 08:00 Uhr, klingelte ihr Telefon: Es gibt ein Herz für Clarissa! Ein Ärzteteam aus dem Deutschen Herzzentrum flog zum Entnahmeort, begutachtete das Herz. Als es sein Okay gab, wurde Clarissa in Berlin in den OP geschoben. In den Armen hielt sie ihre Mini-Maus. „Clarissa hat nicht geweint, sie hat uns vertraut“, sagt die operierende Herzchirurgin, Mi-Young Cho (43).

Heiligabend, 20:30 Uhr, begann sie mit der achtstündigen Transplantation. „Wir hatten bei der Vorgeschichte nicht gedacht, dass Clarissa überhaupt überlebensfähig ist. Doch alles verlief glatt.“

Am 1. Weihnachtsfeiertag, gegen 15:00 Uhr, schlug Clarissa die Augen auf. Nadine E.: „In ihrem Brustkorb sah ich ihr neues Herz schlagen, ein unheimliches Glücksgefühl!“ Zwei Tage später hatte Clarissa schon die Kraft, das erste Wort zu sagen: „Mama!“ Am vierten Tag die ersten Schritte zu machen.

 
Clarissa muss für ein halbes Jahr einen Mundschutz tragen, zeitlebens Medikamente nehmen, darf nur bestimmte Nahrung essen (keine Rohkost). Foto: Stefanie Herbst.
 
Doch dann, sechs Wochen später, begann ihr Körper, das fremde Organ abzustoßen. Der Blutdruck sank auf ein lebensbedrohliches Niveau. Wieder kämpften die Ärzte um Clarissas Leben, gaben ihr Medikamente, filterten mit Blutwäschen Antikörper aus dem Körper und konnten die Reaktion stoppen.
 
Vor Ostern war ihr Zustand so stabil, dass sie mit einer großen Abschiedsfeier aus dem Herzzentrum entlassen werden konnte. „Hier drin ist mein neues Herz“, sagt Clarissa und tippt sich auf den Brustkorb. Sie muss noch einen Mundschutz tragen, ihre Augen lächeln. Nadine E.: „Alle haben dazu beigetragen, dass das Wunder wahr wurde.“
 
 
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Größter Osterwunsch hat sich erfüllt!

 

 

 

Osterwunsch ...von Clarissa (3) hat sich erfüllt! ❤


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